Das Interview
Die Rheinische Post führte mit den Ministerinnen Reiche (CDU) und Bär (CSU) ein Interview am 17.05.2026
„Das BMFTR fördert die Forschung zu den sogenannten Mini-Atomkraftwerken derzeit nicht.“
und
„Mit knappen Mitteln kann man nicht mehr nach dem Gießkannenprinzip fördern, sondern muss gezielt Schwerpunkte setzen.“
Zunächst sollte man klarstellen, dass das BMFTR für die nächsten Jahre einen dreistelligen Millionenbetrag pro Jahr in die Kernfusionsforschung steckt und quasi mit der Gießkanne verteilt. Bei diesem Thema scheinen die „knappen Kassen“ wohl keine Rolle zu spielen. Aber das bedarf eines weiteren Kommentars.
Im Folgenden soll es nur um die sogenannten Mini-AKW gehen, für die ich im Weiteren die übliche Abkürzung SMRSmall Modular Reactor benutzen werde. Es ist möglich, dass Frau Bär bei den über einhundert Modellen für die SMRSmall Modular Reactors keine Reaktor-spezifische Entwicklung fördert. Doch die Realität des Wirrwarrs der Forschungsförderung in Sachen SMRSmall Modular Reactors ist weitaus komplexer!
Man toleriert schlummernde Kapazitäten ganz wie bei Dornröschen
Karlsruher Institut für Technologie
Wir wissen, dass das KITKarlsruher Institut für Technologie jahrzehntelang in Fortführung der Tradition des früheren Kernforschungszentrums Karlsruhe in Bereichen geforscht hat, die direkt mit Flüssigsalz- und Generation-IV-Reaktoren zusammenhängen. Historisch war Karlsruhe eines der wichtigsten deutschen Zentren für:
- schnelle Reaktoren,
- Brutreaktoren,
- Wiederaufarbeitung,
- Flüssigsalzchemie,
- Transmutation,
- Generation-IV-Konzepte.
Vielleicht wurden nach deutschen Atomausstieg auch Forschungsprogramme beendet oder transformiert. Aber es lief auch eine einfache Umetikettierung in Richtung Sicherheitsforschung und Materialwissenschaft. Beispiele sind die ➚ Abteilung Flüssigsalztechnologie (FST) und die Projektförderung Nukleare Sicherheits- und Strahlenforschung (NukSi) am KITKarlsruher Institut für Technologie. Das benötigte Know-how für die Nukleare Sicherheits- und Strahlenforschung am KITKarlsruher Institut für Technologie hat eine hohe Schnittmenge mit dem, welches zur Entwicklung von Flüssigsalzreaktoren essenziell ist. Alimentiert man damit eine Forschungsrichtung, bis man sie offiziell wieder aus dem Schlaf wecken darf?
Technische Universität München
Am „TUM Center for Nuclear Safety and Innovation des FRM II“ scheint man auch neue Forschungskapazitäten in Kooperation mit Partnern für die SMRSmall Modular Reactors aufzubauen. Das wird natürlich wieder unter dem Tarnmantel „Sicherheitsforschung“ gehandelt. Aber der Titel der Pressemitteilung zeigt, wo es hingehen kann: „Flüssiges Salz für neue Reaktorkonzepte“
Die Wege der Finanzierung der Kernforschung in Deutschland …
… sind vielseitig. Es mag sein, dass das BMFTR keine direkte Anwendungsforschung für SMRSmall Modular Reactors unterstützt. Aber die Landschaft zur Forschungsfinanzierung ist divers. Bleiben wir beim KITKarlsruher Institut für Technologie, das organisatorisch zur Landesuniversität Baden-Württemberg gehört und gleichzeitig ein Helmholtz-Zentrum ist. Damit fließen institutionelle Mittel aus öffentlichen Töpfen:
- vom Bund,
- vom Land Baden-Württemberg und
- über die Helmholtz-Gemeinschaft.
EURATOM
Und es können zusätzlich Forschungsgelder über die EU mittels EURATOM auch an deutsche Forschungseinrichtungen vergeben werden. Dabei macht die EU keinen Hehl daraus, dass sie die Entwicklung von SMRSmall Modular Reactors unterstützt. So schreibt sie z.B. in der „Strategie für die Entwicklung und den Einsatz von kleinen modularen Reaktoren (Small Modular Reactors, SMR) in Europa“ solche Sätze
„Europa verfügt dank einer langen Tradition in der Kernforschung, die auch durch die EURATOM-Forschungsprogramme unterstützt wird …“
„.. In den letzten Jahrzehnten wurden dank verschiedener nationaler Förderprogramme und des EURATOM-Programms für Forschung und Ausbildung die Forschung, Entwicklung und Innovation für Technologien für SMR vorangebracht.“
Hat jemand in Deutschland einen Gesamt-Überblick über die Forschungsförderung auf dem Gebiet der „Energieforschung“ ?
Ich fände es spannend, wenn das BMFTR eine langfristige und vollständige Übersicht über die Förderung der deutschen Energieforschung in ihren unterschiedlichen Sparten veröffentlichen würde. Mit „vollständig“ meine ich dabei die Summe der Forschungsförderung durch Bund, Länder sowie den deutschen Anteil an der EU-Forschungsförderung.
Auf➚ Prof. Dr. Dietmar Winje, der die folgende Zusammenstellung der Forschungsausgaben im Energiesektor auf OECD-Ebene bereitgestellt hatte, kann man leider nicht mehr zurückgreifen. Er ist 2025 verstorben.

Da wahrscheinlich keine offizielle transparente deutsche Statistik der Forschungsausgaben im Energiesektor geführt wird, sollte das BMFTR vielleicht eine solche retrospektive wissenschaftliche Aufarbeitung der Forschungsförderung im Energiesektor anregen/ beauftragen.
Bei den knappen Forschungsmitteln
sollte man aber auch bereit sein, aus Fehlern zu lernen. Anhand der obigen Grafik kann man die internationalen Ausgaben auf dem Gebiet der Nuklearenergie und dem realen Ergebnis ins Verhältnis setzen. Es ist an der Zeit einen radikalen Schnitt zu machen und jegliche Forschung zur Nuklearenergie einschließlich der SMRSmall Modular Reactors sowie der Kernfusion einschließlich der Finanzierung von ITERInternational Thermonuclear Experimental Reactor zu beenden. PolitikerInnen müssen begreifen, dass beide Technologien keinen Beitrag zur Energiewende haben werden. Die Gesellschaft sollte die heute verfügbaren Technologien weiterentwickeln und in der Breite einsetzen.
Literatur
- Grzeschik D., Drebes J.: „Das ist Blödsinn, eine Minderheitsregierung will niemand“ Interview der Rheinischen Post mit den Ministerinnen Reiche (CDU) und Bär (CSU), (17.05.2026)
➚ Quelle im Internet zuletzt abgerufen am 19.05.2026 - "Flüssiges Salz für neue Reaktorkonzepte" Pressemitteilung der Forschungs-Neutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz (FRM II) Technische Universität München vom 04.03.2026
➚ Quelle im Internet zuletzt abgerufen am 19.05.2026 - "Strategie für die Entwicklung und den Einsatz von kleinen modularen Reaktoren (Small Modular Reactors, SMR) in Europa" COM(2026) 117 final (10.3.2026)
➚ Quelle im Internet zuletzt abgerufen am 19.05.2026

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