Zum Hauptinhalt springen

Inhaltsverzeichnis
< Alle Themen
Drucken

Gibt es Verfahren zur Reinigung des Abwassers bzw. der Abluft, um die Gehalte an Tritium zu senken?

Kurz gefasst

Nein! Es viele Forschungsansätze, um Tritium aus Abwässern zu entfernen, aber es gibt kein Verfahren, mit dem man das Abwasser (bzw. die Abluft) von Tritium mit einem vertretbaren Aufwand reinigen kann.

Ausführliche Antwort

Es gibt zwar viele Forschungsansätze (1), um Tritium aus Abwässern zu entfernen, aber es gibt kein Verfahren, mit dem man das Abwasser (bzw. die Abluft) von Tritium in den Formen T2, HT, HTOTritiiertes Wasser / Tritiumhaltiges Wasser, T2O mit einem vertretbaren Aufwand reinigen kann, heißt es in dem Jahresbericht  ➚“Umweltradioaktivität und Strahlenbelastung 2020”. Deshalb werden die Tritium-Emissionswerte derzeitig auf das technisch unvermeidbare Maß durch die Behörden festgesetzt.

Ist aber das Tritium einmal in die Umwelt gelangt, dann unterliegt es dem normalen Wasserkreislauf und gelangt damit auch zum Menschen (siehe folgende Abbildung).

Fig. 1 Tritium migratory behavior in the environment; Entnommen aus (2)

Die künstlich freigesetzte Radioaktivität wird weltweit über das “Global Network of Isotopes in Precipitation (GNIP)” erfasst. Die Monitoring-Daten haben jedoch leider noch keine Rückwirkungen auf die Zulassung von kerntechnischen Anlagen. Das heißt im Umkehrschluss, dass die Sicherheitsbarrieren bei zukünftigen Fusionsreaktoren bestmöglich auszulegen sind, um die negativen Auswirkungen des Tritiums nach dem ➚ALARA Prinzip zu minimieren.

Und wie sieht es heute mit der Ableitung von Tritium aus? Nehmen wir als Beispiel Frankreich. In Frankreich gibt es einen bekannten Hotspot für Tritium-Freisetzungen in La Hague. Dort gab es 2005 vier Kernkraftwerke mit 14 Reaktoren und eine Wiederaufbereitungsanlage. Für die Jahre 2001 und 2002 liegen beeindruckende Ergebnisse von Messungen von Tritium im Wasser des Ärmelkanals und als organisch gebundenes Tritium über ein riesiges Gebiet vor (3):

Figure 2. Chart of the average tritium concentrations in seawater in the English Channel, in 2001-2002, calculated using the TRANSMER model considering the releases from all the nuclear plants on the French and English coast; Entnommen aus (3)

Es ist erschreckend zu sehen, welchen Grad an Umweltbelastung man mit Tritium durch die am Ärmelkanal angesiedelten Atomkraftwerke und Atomaufbereitungsanlagen erreicht hat. Würde man die Quelle radioaktiver Verschmutzung am Qualm von Schornsteinen festmachen können, hätte die Bevölkerung bestimmt dem schon Einhalt geboten. Doch Radioaktivität sieht man nicht! Hätte man hier parallel dazu eine epidemiologische Studie angelegt, vielleicht noch mit Messungen im Urin ergänzt, hätte man brauchbare Ergebnisse zur Radiotoxizität von Tritium in Abhängigkeit vom Abstand zum Hotspot erbringen können. Aber wer hätte das schon von den französischen Geldgebern gefordert?

Beim Ansehen obiger Abbildung sollte man sich bewusst machen, dass man in dem UNSCEAR 2016 Bericht (4) noch offenen Forschungsbedarf zur Radiotoxizität von Tritium festgestellt hat.

Weiterführende Beiträge

Literatur

  1. Magomedbekov, E.P., Rastunova, I.L., Kulov, N.N.: "Current State of Research in the Field of Detritiation of Technological Water Flows: A Review" Theor. Found. Chem. Eng 55, 1111–1125 (2021)
    Quelle im Internet zuletzt abgerufen am 25.07.2025
  2. Nie B., Ni M., Jiang J., Wu Y. "A Dynamic Modeling 3H Transfer to the Environment Under Accidental Release from the Fusion Reactor". Journal of Fusion Energy. 34. 10.1007/s10894-015-9878-7. (2015)
    Quelle im Internet zuletzt abgerufen am 05.12.2025
  3. Masson M., Siclet F., Fournier M. u.a.: Tritium along the French coast of the English Channel; Radioprotection 2005, Vol. 40, n° Suppl. 1 (Mai 2005) S621-S627
    Quelle im Internet zuletzt abgerufen am 03.11.2024
  4. United Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation: Report of the United Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation, Annex C. Biological effects of selected internal emitters – Tritium; ; UNSCEAR 2016 Report to the General Assembly; ISBN 978-92-1-142316-7 (Januar 2017)
    Quelle im Internet zuletzt abgerufen am 31.10.2024
War dieser Beitrag hilfreich?
0 von 5 Sterne
5 Sterne 0%
4 Sterne 0%
3 Sterne 0%
2 Sterne 0%
1 Sterne 0%
5
Bitte teilen Sie Ihr Feedback
Wie können wir diesen Artikel verbessern?

Schlagwörter