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Setzt Hessen mit der laserinduzierten Trägheitsfusion auf das bessere Konzept?

„Bei einem Spitzentreffen am ehemaligen Kernkraftwerkstandort Biblis hat Ministerpräsident Boris Rhein laserbasierte Kernfusion als Schlüsseltechnologie für eine saubere und wirtschaftliche Energieversorgung bezeichnet.“

hieß es in einer ➚Pressemitteilung der Hessischen Staatskanzlei vom 13.03.2025. Man hat Großes vor:

„Wir bekennen uns zu einer gemeinsamen Vision. Wir wollen Hessen als Leitstandort für die Spitzenforschung und Entwicklung der laserbasierten Kernfusion etablieren und den Weg in Richtung kommerzieller Fusionsenergie ebnen. Dafür sollen am Standort Biblis eine Demonstrationsanlage sowie später ein Kraftwerk gefördert werden.“

Der Klimabeirat Hessen konterte in einer Stellungnahme (1) auf der Grundlage der „Übersichtsstudie Kernfusion“ des Öko-Instituts e.V. (2) und gab folgende politische Empfehlungen:

„Die Ausführungen zeigen, dass die lasergetriebene Kernfusion absehbar keinen Beitrag zur Erreichung der hessischen Klimaziele leisten kann. Daher sollten in der Öffentlichkeit keine falschen Erwartungen an die Technologie geweckt werden. Um die gesetzlich bindenden Klimaziele zu erreichen, ist es daher dringend notwendig, dass Hessen weiterhin in bereits existierende und gut funktionierende Technologien im Bereich der Erneuerbaren Energien investiert und deren Ausbau beschleunigt. Entsprechend wichtig ist die Prioritätensetzung in der Haushaltsplanung. Es wäre fatal, wenn Investitionen in die Kernfusion den Ausbau bereits erprobter und funktionierender Technologien, die zur Erreichung der Klimaziele nachweislich beitragen, ausbremsen. Auch eine Kommunikation der Risiken, die durch die Technologie der lasergetriebenen Kernfusion entstehen, ist notwendig. Dies betrifft unter anderem schwach- und mittel-radioaktive Abfälle, die auch in Fusionskraftwerken in erheblichem Umfang entstehen, und militärische Risiken.“

Trägheitsfusionskonzepte werden derzeitig auf den Technologie-Reifegrad 2-3 von 9 Reifegraden (TRLTechnology Readiness Level – Technologie-Reifegrad) eingestuft, wobei TRLTechnology Readiness Level – Technologie-Reifegrad 9 ein funktionierendes Kraftwerk bedeuten würde. Dagegen liegt der TRLTechnology Readiness Level – Technologie-Reifegrad der Magnetfusion meist im Bereich 4–6; gewisse Prototypen und Teilkomponenten existieren, aber noch keine marktreife Anwendung. Damit ist Magnetfusion insgesamt technologisch weiter fortgeschritten als Laserfusion – auch wenn beide Technologien sich noch in einer mittleren bis frühen Entwicklungsphase befinden (2).

Da aber Trägheits– und Magnetfusion die gleichen Kernfusionsreaktionen auslösen, sind beide Konzepte grundsätzlich mit den gleichen Problemfeldern und Nachteilen behaftet. In einer Expertenbefragung stellte man fest, dass die präzise Ausrichtung von Lasern besonders empfindlich ist und deshalb vor seismischen Aktivitäten geschützt werden muss (3). Trotzdem werden in dieser Wissenssammlung keine spezifischen Reaktorkonzepte näher beleuchtet.

Damit kann man zusammenfassen: egal ob Trägheits– oder Magnetfusion – Hessen sollte die gravierenden technischen Probleme und physikalischen Risiken der Kernfusion stärker in den Blick nehmen und sich nicht von haltlosen optimistischen Zukunftsversprechen leiten lassen – oder gibt es gar noch andere ungenannte Forschungsziele?

Weiterführende Beiträge

Literatur

  1. Wissenschaftlicher Klimabeirat Hessen: STELLUNGNAHME: Welchen Beitrag kann lasergetriebene Kernfusion zur Erreichung der hessischen Klimaziele leisten? (November 2024)
    Quelle im Internet zuletzt abgerufen am 05.01.2025
  2. Öko-Institut e.V. Englert M., Kopp A.: Übersichtsstudie Kernfusion für den Klimabeirat Hessen (15.11.2024)
    Quelle im Internet zuletzt abgerufen am 29.11.2024
  3. Tang, L., Noll, B., Panda, A. u.a.: "Fusion power experience rates are overestimated" Nat Energy (23.03.2026).
    Quelle im Internet zuletzt abgerufen am 25.03.2026
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Ein Kommentar zu “Setzt Hessen mit der laserinduzierten Trägheitsfusion auf das bessere Konzept?”

  1. Hauke: Da aber Trägheits– und Magnetfusion die gleichen Kernfusionsreaktionen auslösen, sind beide Konzepte grundsätzlich mit den gleichen Problemfeldern und Nachteilen behaftet. Aus diesem Grund werden in dieser Wissenssammlung keine spezifischen Reaktorkonzepte näher beleuchtet.
    Damit kann man zusammenfassen: egal ob Trägheits– oder Magnetfusion – Hessen sollte die gravierenden technischen Probleme und physikalischen Risiken der Kernfusion stärker in den Blick nehmen und sich nicht von haltlosen optimistischen Zukunftsversprechen leiten lassen – oder gibt es gar noch andere ungenannte Forschungsziele?